Donnerstag, 1. August 2019

Lange Nacht der Wissenschaften: Fehler, Falten, Abkürzungen, Textiles, Spaß und Laser


In diesem Jahr konzentrierten wir uns auf die Angebote im und um das Hörsaalzentrum der TU Dresden. Vorteil: Kurze Wege und es ist ja alles soooooooo interessant! Nachteil: Irgendetwas Tolles haben wir verpasst, und es ist ja alles soooooooo interessant!


Wir begannen mit einem Vortrag von Romy Müller. Sie arbeitet in der Fakultät Ingenieurpsychologie und angewandte Kognitionsforschung. Thema ihres Vortrages war: Menschlicher Fehler- Über den Sinn und die Folgen einer Suche nach einfachen Ursachen in komplexen Systemen. Hier erfuhren wir, daß es auch für Fehler, die man im Alltag macht, toll klingende wissenschaftliche Bezeichnungen gibt. Die Fehlerursachen haben auch toll klingende wissenschaftliche Bezeichnungen. Ich hätte hier gern ein Beispiel genannt, aber Frau Müller sprach so schnell, daß meine Hasenpfötchen nicht mitschreiben konnten. Schade. Was ist vom Vortrag hängengeblieben? 80% aller Unfälle beruhen auf menschlichem Versagen. (Gut, daß ich ein Hase bin!)
Viele der Forschungen erfolgen in einer Schokoladenfabrik: Arbeiterin A verläßt ihre Maschine A, um Arbeiterin B bei einer Panne an Maschine B zu helfen. Inzwischen läuft Maschine A heiß, geht kaputt und der gesamte Produktionsfluß stoppt für einen Tag. Was lernen wir daraus? Das hat Frau Müller nicht gesagt. Jetzt schreibe ich mal, was ich als Hasenpsychologe anweisen und fragen würde:
1. Verlasse niemals Deinen Arbeitsplatz!
2. Hilf nicht/ niemals Deinen Kollegen!
3. Wo war der Pannendienst?
4. Hatte Arbeiterin B überhaupt eine Möglichkeit, den Pannendienst zu rufen? (Telefon, Notfallknopf)
5. Hat da wieder die Werksleitung an Notfallknöpfen gespart?
6. Wer ist hier eigentlich schuld?
Über die Konsequenzen des Produktionsstops haben wir leider nichts erfahren. Und leider auch nicht, wo sich diese leckere Forschungsstelle befindet. Denn sonst würde ich mich sofort bei den „Kognitiven“ einschreiben und täglich Dienst in der Schokoladenfabrik tun. Oh, wie schön kann studieren und forschen sein!
Wie besuchten noch den Origami-Vortrag mit Herrn Dr. Heinrich Grüger. Er arbeitet am Fraunhofer IPMS (die Wissenschaftler liiiieben Abkürzungen!). Zum Einstieg gab es einen Beitrag aus der „Galileo“-Serie zu sehen und wir wußten nun, daß es hier nicht um einfache Papierfaltung handelt. Oder nur ein bißchen. ORIGAMI = Optimierte Räumliche Integration durch GenaueAVT&Mikromontage Innovation. Es geht um einen Scanner, der die Frische von Lebensmitteln erkennt. Vor ein paar Jahren hatte er noch die Größe eines Umzugskartons, jetzt passt er in einen Schuhkarton. Aber er soll noch kleiner werden, damit er in ein Mobiltelefon paßt. Also muß noch kräftig gefaltet werden. Industriell angefertigt soll er zwischen 3,99 und 5,00 Euro kosten. Zur Zeit beträgt der Wert 25 000,00 Euro. Da ist noch viel zu tun. Die Idee kommt natürlich der Lebensmittelbranche entgegen, aber organisches Material ist organisches Material! In einigen Jahren werden wir wahrscheinlich in Raumschiff-Enterprise-Manier gescannt, und dann wissen wir, wie gesund wir sind.
Dann besuchten wir auf dem TU-Gelände eine richtige Werkhalle. Sie gehört zum Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik (ITM). Textilien werden in der Medizin für Stents und Netze eingesetzt,


wir sahen Autositze und erfuhren etwas über Kuhmatten. (Diese Kuhmatten sind eigentlich einen eigenen Post wert. Vielleicht schreibe ich den mal.) Wir sahen Webstühle, Strick- und Wirkmaschinen,



alle voller Enthusiasmus von Herrn Kern erklärt. Emme, die alte Klau-Maus, wühlte völlig unauffällig im textilen Mülleimer. Leider hatten die Stoffe so eigenartige Beschichtungen, daß sie für eventuelle Applikationen oder anderes nicht brauchbar waren.


Emme, es ist doch genug in Deinen Restekisten vorhanden!
Hast ja Recht, Hase.

Pause!

Was sahen wir noch?
Wir sahen fast im Vorbeigehen diesen tollen ersten PC vom VEB Robotron und wurden in das dortige Museum eingeladen.


Wie bekamen gezeigt, wie Waffeln (Wafer) aussehen und dazu erklärt, wie sie hergestellt werden.
Wir waren in einer Turbinen-Testhalle.


Arbeitsangebote: Fast verzweifelt suchen Industrie und Forschungsinstitute Mitarbeiter und Nachwuchs. Nun macht sich das Ausbluten des Landstrichs und die ungleiche Bezahlung in Ost und West bemerkbar.

Was haben wir nicht besucht/ gefunden/ angesehen/ ausprobiert?
Eine ganze Menge. Trampoline aus Beton und Glas. Tests als Chirurgen: Selberbohren und -schrauben an Kunstknochen. Oder die Ausstellung: Kommt Kunst von Können? Die Diplomgemälde der HfBK (Hochschule für Bildende Künste) aus der Zeit der DDR.
Zu später Stunde gab es noch „Noble Forschung“. Eine Reise in die Welt der Laser mit den PHYSIKANTEN und dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Eingebettet in eine Experimentalshow mit einer Laser-Bass-Gitarre berichteten die Physiker, warum und wofür Donna Strickland, Gérard Mourou und Arthur Ashkin den Nobelpreis für Physik erhielten. Das war spannend, aber wie immer bei einem Vortrag über Grundlagenforschung fehlen Emme und mir die Ausblicke: Wo wird das angewandt? Was passiert mit all den Erkenntnissen? Wir waren zu müde zum Fragen. Es war spät und wir fuhren erschöpft nach Hause.

Emme, gehen wir da wieder hin?
Klar, Hase. Sooooo viele interessante Dinge! Und Trampolinspringen wollen wir doch auch!

Es gibt viel zu entdecken!
Euer Hase

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