Sonntag, 4. Dezember 2016

Im Oktober/ November gelesen



Wimschneider, Anna: Herbstmilch
Serie Piper, Neuausgabe Mai 1987
In ihren „Lebenserinnerungen einer Bäuerin“ schreibt Anna Wimschneider über die Verhältnisse auf dem Land, die uns wie aus einer anderen Zeit vorkommen. Schwerstarbeit für Kinder und Erwachsene, Mißbrauch der Angestellten, der Pfarrer und der Großbauer hatten das Sagen, unvorstellbare Armut. Dabei ist das alles nicht so lange her.
Interessant ist, was Anna Wimschneider über die Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg schrieb (und mir sehr aktuell erscheint). Die Reichen waren ablehnend und die Armen haben geteilt. Außerdem kursierten Gerüchte, daß alle in Hessen willkommen wären und dort ein Haus bekämen. Was sich natürlich nicht als Wahrheit herausstellte. Aber wie entstanden solche Ideen in einer Zeit ohne Internet? 

Keller, Julia: Blutroter Sommer
Goldmann 2016
Die Geschichte spielt in West Virginia, es gibt einige Tote und kein Motiv, aber die Staatsanwältin ermittelt. Gruseliger als die Morde sind die sozialen Verhältnisse, die Julia Keller beschreibt. Na klar, sie war mal Journalistin.
Und zum Glück erfahren wir am Ende, daß man für Geld eben nicht alles kaufen kann.

McKinty, Adrian: Gun Street Girl
Suhrkamp 2015
Ein düsterer Krimi, der in der 80er Jahren in Nordirland spielt. Ich habe von der Geschichte des Nordirland-Konfliktes kaum etwas mitbekommen. Ab und zu gab es Bilder im Fernsehen, da standen hochgerüstete Polizisten rum und das „Volk“ war auf den Barrikaden. Damals hörte ich das erste Mal das Wort „Plastiksprengstoff“, wußte aber nicht, wieso PVC explosiv sein sollte.
Dank Adrian McKinty dürfen wir noch einmal in diese Zeit eintauchen und diesmal mit mehr Wissen und zeitlichem Abstand hautnah dabeisein. Und das alles ist nicht lustig.
Ein gut geschriebenes, spannendes Buch. Und es hat bei mir die Idee ausgelöst, noch mal in ganz alten Kisten zu kramen. Um die Tom-Waits-Kassette zu finden, einen Kassettenrecorder aufzutreiben und noch mal die Musik zu hören, die in den 80ern für mich aus Westberlin rübergeschmuggelt wurde. Danke an Adrian für die Inspiration und an Christoph fürs Schmuggeln!

Vargas, Fred: Das barmherzige Fallbeil
Limes 2015
Adamsberg ermittelt in Paris wegen mehrerer Morde, die als Selbstmorde getarnt waren. Welche Spur ist die Richtige? Ein Island-Aufenthalt vor zehn Jahren? Oder die Robespierre- Gesellschaft heute?
Natürlich wird der Fall gelöst, aber bis dahin erfahren wir einiges über die Französische Revolution, isländische Mysterien und die Gefährlichkeit von Living History.
Und die Frage aller Fragen kann sich jeder selber stellen und beantworten: Wie weit bist Du bereit zu gehen, um zu überleben?

Faber, Jan: Kalte Macht
Goldmann 2015
Ein Politthriller, der in Berlin spielt. Jan Faber ist ein Insider, der unter Pseudonym schreibt.
Natascha Eusterbeck wird ins Kanzleramt als Staatssekretärin berufen und soll offiziell Vorschläge zur Arbeits- und Kostenoptimierung erarbeiten. Inoffiziell soll sie der Kanzlerin über Netzwerke, Interna und persönliche Verstrickungen aller Mitarbeiter berichten.
Ein heikler Job, der schnell gefährlich für die junge Frau wird.
Literarisch nicht allererster Güte und spannend am Ende. Der Leser wird in seiner Erkenntnis –die ja eine alte ist- bestätigt, Politik ist ein dreckiges Geschäft. Es geht nicht ums Regieren, sondern um Macht.
Nach der Lektüre türmen sich Fragen auf:
Wie kann jemand mit einem russischen Vornamen eine deutsche Staatssekretärin werden? (Geht ja gar nicht!)
Was arbeiten die eigentlich im Kanzleramt? Welche Akten studieren die eigentlich immer? (Gesetze werden in den Ministerien erarbeitet. Deren Durchführung und die Kontrolle auch.) Was tun 470 Mitarbeiter im Kanzleramt?
Frau Merkel braucht vielleicht 2-3 Sekretärinnen, Protokollleute und Organisatoren für die Reisen, ein paar Sicherheitsmänner/frauen und ich gönne ihr von Herzen einen Chauffeur, eine Putzfrau Reinigungskraft, einen Hausmeister und jemanden für die Presse.
Aber was machen die anderen 400 Leute? Heiße Luft produzieren? Da wird es Zeit, daß mal jemand Vorschläge zur Arbeits- und Kostenoptimierung macht.

Asimov, Isaac: Roboterträume
Bastei Lübbe 1991
Der Meister der Science Fiction legt gesammelte Robotergeschichten aus mehreren Jahrzehnten vor. Im Vorwort kommentiert er auch deren Entstehung und wissenschaftliche Erkenntnisse.
Die Geschichten sind komisch, traurig, herzzerreißend und gruselig. Und falls Ihr Euch mittels Zeitmaschine ins Jahr 5117 bewegen könnt, werdet Ihr, wenn Ihr 7x9 ohne Computer errechnen könnt, die absoluten Stars sein. Und eine neue Wissenschaft namens Graphitics begründen. Viel Spaß!

Weggelegt:
Higashino, Keigo: Böse Absichten
Gut geschrieben, aber auf Psycho-Spielchen –auch literarisch- hatte ich keine Lust.

Das war wieder eine Leseliste quer durchs Gemüsebeet. Vielleicht wünscht sich ja der eine oder andere etwas zu Weihnachten, ansonsten empfehle ich wie immer eine Mitgliedschaft in einer Bibliothek. Die ist kosten- und platzsparend!
Eure Emme

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