Im Juli wurde beim „Märchenhaften“ Werkeln dieses
Märchen ausgelost:
Das fand Emme früher sehr, sehr gruselig: Weil der
Bruder Durst hat, wird er in ein Tier verwandelt. Das Reh wird bei der Jagd
verletzt- Blut! Die Königin, die im Kindbett liegen sollte, wird in der Badewanne
verbrüht! Eine Einäugige wird an ihrer Stelle ins Bett gelegt! Nachts kommen
Gespenster! Und die Rache (oder soll das Gerechtigkeit sein?): eine Tote und
eine Schwester, die von wilden Tieren zerrissen wird. Das klingt ganz schön
nach Horrorfilm.
Den Gegensatz bilden die romantischen Illustrationen:
ein Kind/ eine junge Frau, das mit einem Reh an der Seite durch den Wald
streift…
Und dazu soll Emme was werkeln? Das war wirklich sehr
schwer, denn es soll ja etwas Brauchbares dabei herauskommen, nicht nur Mord
und Totschlag.
Schon beim Junithema hatte sich Emme erfolgreich um
das Thema „Wald“ gedrückt, aber diesmal ging das nicht mehr. Als Inspiration
Nr.1 diente diese Textstelle:
Da suchte es dem Rehchen Laub und Moos zu einem weichen Lager, und
jeden Morgen ging es aus und sammelte sich Wurzeln, Beeren und Nüsse,
und für das Rehchen brachte es zartes Gras mit, das fraß es ihm aus der
Hand, war vergnügt und spielte vor ihm herum. (...) Und hätte das Brüderchen nur seine menschliche Gestalt
gehabt, es wäre ein herrliches Leben gewesen.
Inspiration Nr.2 fand sie bei Clara, die in ihrem
schönen Blog „Bimbambuki“ textile Blumen gepresst hatte. Vielen Dank dafür, daß
Du Deine tollen Ideen mit uns teilst!
Emme hatte noch einen alten schwarzen Schal aus Filz,
den sie von sonstwem erhalten hatte. Der Schal ist untragbar, da der Stoff
Krümel, Fussel und Haare wie ein Magnet anzieht. Jeder Morgen würde erst einmal
mit Ausbürsten beginnen. Für das Werkelprojekt war er ein gutes
Ausgangsmaterial.
Emme schnitt zwei Rechtecke für Platzdeckchen
(neudeutsch: Tischsets) zurecht und legte Blumen und Blätter aus Stoffresten
darauf. Die fand sie im Schnipselkorb.
Emme versuchte, ein paar Waldblumen zu gestalten.
Echte Pflanzenfreunde werden jetzt sagen: „Die sehen doch ganz anders aus!“
Aber Ihr verzeiht es Emme bestimmt, Botanik war einfach noch nie ihre Stärke.
Über das gelegte Muster kam ein Stück brauner Organza. Emme quiltete zuerst
alles in einer Richtung und danach noch einmal alle Konturen.
Für die rückwärtige Abdeckung zerschnitt Emme einen
alten Kopfkissenbezug. Die überstehenden Ränder schlug sie nach vorn um und
nähte sie fest. So entstand die Einfassung.
Nach den Rechtecken war dann immer noch schwarzer Filz
und etwas Organza übrig, deshalb nähte Emme noch zwei Glasuntersetzer im
„Waldblumen-Look“. Fertig!
Als Emme diesen/dieses Post vorbereitete, fand sie
einen amüsanten Abschnitt in der weltweiten Wissensenzyklopädie:
Der Untersetzer ist ein Teil der Schutzkultur, die sich in Europa
etabliert hat: Das Holz zum Beispiel des Tisches wird geschützt durch
den Lack, der Lack durch eine Tischdecke und die Tischdecke durch den
Untersetzer. Die ursprünglich schützenden Gegenstände wurden im Laufe
der Zeit auch zum Objekt des Schutzes.
Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Untersetzer abgerufen am 28.07. 2020
Emme hat dieses Projekt Spaß gemacht. Die Denkarbeit
war wichtig. Außerdem hat sie etwas ausprobiert, das sie sonst nie gemacht
hätte. Ein paar Stoffreste sind verbraucht.
Und ein Weihnachtsgeschenk für zwei
Jünger der europäischen Schutzkultur ist fertig.
Euer Hase
Verlinkt bei Maikas „Märchenhaftes 2020“ und bei Ulrikes Magic Crafts