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Dienstag, 14. Juni 2022

Als Opa noch ein Junge war

zog er ins Gebirge und malte. Eines seiner ganz frühen Werke hängt bei Emmes Mutter. Nur der Bilderrahmen löste sich in Wohlgefallen auf.


Ziemlich frech hängte Emme das Bild ab und sagte: „Das muß doch zu reparieren sein!“

Ein Blick auf die Rückseite zeigte eine gewagte Konstruktion aus allerlei Material. Alles war mit antikem Paketklebeband zugeklebt, das Emme vorsichtig entfernte.


Dabei fand sie die Datierung:


Lange suchte Emme Krudorf, aber Emmes Tante erklärte, daß es sich um Neudorf im Erzgebirge handeln müsse. Und wir rechneten aus, wie alt bzw. jung der Opa war, als er das Bild malte. (Er war 16!) Wir sind fast hundert Jahre später immer noch beeindruckt.

Die abgefallene Leiste konnte Emme ganz leicht mit einem Bastelkleber auf Wasserbasis ankleben, ohne das Bild selbst zu beschädigen. Aus Nostalgiegründen beppte sie auch wieder etwas Paketklebeband an, ließ aber die Datierung frei.


Nun hängt es wieder an der Wand und wir denken voller Liebe an

Otto Kern

1907-1989

Kunsthandwerker und Maler

 

Repariert Ihr auch die Sachen Eurer Vorfahren?

Euer Hase

 

Verlinkt mir Valomeas Reparaturaktion „Reparieren von 12 bis 12“

Freitag, 2. Oktober 2020

Der kleine Muck- außer Konkurrenz (enthält Werbung)

Maikas Idee, monatlich zum märchenhaften Werkeln aufzurufen, ist wirklich spannend.

Als Emme die Auslosung für den Monat September las, fielen ihr sofort zwei Dinge ein:


1.

Der tolle Film „Die Geschichte vom Kleinen Muck“. Das ist der zweite Film, den die DEFA im gebeutelten Nachkriegs-Mitteldeutschland produzierte und bei dem kein geringerer als Wolfgang Staudte die Regie führte. Gedreht wurde unter anderem in Dresden, im Türkischen Bad des Schlosses Albrechtsberg. Dieses Schloß wurde später Pionierpalast und das Türkische Bad zum Märchenzimmer. Manchmal durften die Tanzmäuse in diesen Raum schlüpfen. Da waren sie glücklich und träumten vom Orient, Märchen und vom Kleinen Muck.

Im Nachhinein ist es völlig irre, daß ein Staat, in dem es an (fast) allem mangelte, tatsächlich den Kindern einen Palast zur Verfügung stellte.

Wir Dresdner Kinder fühlten uns privilegiert und haben die Berliner ausgelacht: Deren Pionierpalast sah aus wie ein Betonbunker.

Das Schloß Albrechtsberg beherbergt heute Teile der Jugendkunstschule und kann für Veranstaltungen gemietet werden.


2.

Das will Euch Emme unbedingt zeigen: Es ist nicht von ihr gemacht. Und es ist schon seit vielen Jahren fertig.



Diesen kleinen Wandteppich (41x28 cm) webte Emmes Oma Hilde Ende der 60er/ Anfang der 70er Jahre. Jedes ihrer Enkelkinder sollte einen kleinen Teppich mit Märchenmotiven bekommen. Geschafft hat sie leider nur diesen wunderbaren „Kleinen Muck“ für ihren ältesten Enkelsohn. Detailreich und mit herrlichen Ideen.



Diese eigenartigen Dinge sollen Feigen sein. Hilde wußte einfach nicht, wie diese Früchte aussehen. So etwas gab es nicht. Wir hoffen inständig, daß sie auf ihren großen Dalmatien-Reisen fünfzehn Jahre später Feigen sehen und kosten durfte.

Natürlich startet dieser Beitrag  zum Märchenhaften 2020 außer Konkurrenz. Aber wir hoffen, Euch gefällt diese fast 50 Jahre alte Werkelei und erinnern liebevoll an


Hildegard Kern

Stoffmalerin, Handarbeitslehrerin, Textilgestalterin, Ergotherapeutin



Hase und Emme

Donnerstag, 12. Januar 2017

Erbe III- Das Männelhemd/ Refashion 1947



Emmes Mutter bekam zu ihrer Schuleinführung im Oktober 1945 ein Hemdchen geschenkt.


Das Schuljahr fing damals nicht am 1. September an, denn die Schule und die Turnhalle waren von Flüchtlingen belegt. (Warum kommt uns das heute so bekannt vor?)
Gefertigt wurde das Hemd von Frau Schurig, der Mutter ihrer besten Freundin. Da es zu dieser Zeit nichts gab, waren die blauen Träger wohl das einzige bunte Stück Stoff gewesen, das Frau Schurig auftreiben konnte. Dazu passend suchte sie das Stickgarn aus und bestickte die Vorderseite mit “Männeln”.


Als Emmes Mutter diesem Hemd entwachsen war,


wurde es zwecks Weiterverwendung unten zugenäht und diente als Wäscheaufbewahrung.


Und als Emme ungefähr 10 Jahre alt war, wechselte das Männelhemd in ihren Besitz. Emmes Bruder hatte in seiner Technikbegeisterung die Nähmaschine ausprobiert und Emme zu Weihnachten eine Unmenge von Puppenkleidern geschenkt.


Das prall gefüllte Männelhemd wartet jetzt auf die weitere Verwendung. Wir überlegen intensiv, was wir mit den Puppenkleidern anfangen werden.
Emme schwört übrigens Stein und Bein, daß es eine der coolsten Sachen der Welt ist, einen großen Bruder zu haben, denn dann erhält man jährlich tolle Geschenke:


Wo ist eigentlich mein großer Bruder?
Euer Hase

Sonntag, 27. November 2016

Erbe II- Macramé



Emme fand diesen Artikel in der Burda 04/16:


Seit Emme denken kann, wird in ihrer Familie geknüpft. Emmes Großmutter verdiente damit sogar Geld: Zu Zeiten, als man im Krankenhaus noch mehrere Wochen liegen mußte, fertigte sie mit den (meist weiblichen) Patienten Ketten und Gürtel. Vorteil der Technik ist: man kann sogar im Halbliegen arbeiten, es entsteht kaum Schmutz und Finger und Kopf werden trainiert. Oma war eine Ergotherapeutin, bevor der Beruf so hieß.


Neueste Nachrichten 08.07.1971

Jetzt kam ihre Mustersammlung zum Vorschein,























teilweise klitzekleine Versuche,


mehrfarbige Bänder,


Materialproben und anderes.



Die Eulen sind fast alle von Emmes Tante,

 





die Musterkette von Emmes Mutter


und Emme fertigte als Kind eine Kette, natürlich mit Brezel. (Nach den Motto: Alles, was gut schmeckt!)


Vorerst kommen all die Stücke in ein Kästchen, vielleicht entsteht einmal was daraus.
Auf jeden Fall ist all das tausendmal schöner als diese eigenartigen Fadenkragen aus der Modenzeitung. Und spätestens wenn sich die Fäden in der Tastatur verfangen haben, in der Suppe schwimmen oder im Reißverschluß klemmen, weiß die berufstätige Frau, daß solche Mode kaum tragbar ist…

Verknotet Euch nicht!
Euer Hase