Freitag, 2. November 2018

Elbhangfest verregnet- Freitag und Sonnabend


Am Wochenende nach der Bunten Republik folgt das Elbhangfest, noch einmal drei Tage Kunst, Kultur und Musik für alle, die nicht über die Preise meckern. Obwohl eine 3-Tageskarte nur wenig mehr kostet als ein Kinobesuch.
Das Motto war diesmal: „Gründer und Erfinder der Hang zur Technik“. Am Freitag wollten wir eigentlich einen Blick in das Ardenne-Planetarium werfen, aber die telefonische Voranmeldung klappte nicht. Tückische Technik! Deshalb zogen wir kurz über den Markt am Körnerplatz und wurden mit Blumen begrüßt.

 

Mit einem der letzten Busse fuhren wir nach Pillnitz. Hier war die offizielle Eröffnung und die Big Band Therapy spielte Swing. Nicht perfekt, aber mit Lust und Laune, und deshalb machte es besonders viel Spaß. Hier wurden wir auch zum ersten Mal richtig naß. Daß uns das im Laufe des Wochenendes noch mehrere Male passieren sollte, ahnten wir noch nicht.


Am Sonnabend verpaßten wir den Festumzug, das war richtig schlecht! Der Umzug wird immer mit großer Liebe und viel Aufwand vorbereitet. Und es gehört zum guten Ton, dann auch an der Strecke zu stehen. Naja, dafür taten wir eine andere gute Tat: Auf unseren Fahrscheinen können wir am Wochenende eine zweite erwachsene Person und mehrere Kinder in Bus, Bahn und Fähre mitnehmen. Und so setzte dann eine allseits bekannte Band etwas preiswerter zum anderen Elbufer über.
Emme stürmte erst einmal den Flohmarkt und kaufte sich tatsächlich: Kleidung! Also so was! Kaufverbot!!! Und einen riesengroßen Regenschirm!
Dann besuchten wir in Niederpoyritz die Galerie von Peter Herzog. Ausgestellt waren Grafiken von Rosa Undroth, geboren 1956 in Mukatschewo (Ukraine) und Kunststudium in Lwow (Lemberg). Einige Monate lebte sie in Dresden und nun in Antwerpen. Uns gefielen die Arbeiten.


Außerdem nutzte Emme die Zeit in der Galerie, um mit der Malerin Christine Schlegel zu sprechen und mit Peter wieder irgendwelche künstlerischen Pläne auszuhecken.
Laß mich doch! Vielleicht wird was draus!
Danach besuchten wir ein Elbhangschloß. Besser gesagt, die Villa „Dornröschen“, die in diesem Jahr ihre Türen und Gärten öffnete.


Wir mußten ganz, ganz hoch klettern, oh, meine armen Hasenfüße! Dafür gab es oben Erdbeeren mir Schlagsahne und einen herrlichen Blick bis ins Erzgebirge! Danke an alle Anwohner, die in Eigeninitiative solche Erlebnisse möglich machen!


Dann schlenderten wir in Richtung Loschwitz. Die Flohmarkstände machten zu, denn es regnete. In    besuchten wir die Ausstellung des Elbhangfestvereines. Thema war der Dresdner Fernsehturm.


Die Aussichtsplattform ist ja seit Jahren nicht mehr zugänglich, es gibt eine Bürgerinitiative für die Wiedereröffnung und einen über Geldmangel jammernden Stadtrat dagegen. Wie immer.
Wir konnten Dokumente über den Bau sehen und Emme kam mit einem ehemaligen Bauarbeiter ins Gespräch, der damals dabei war.


Um auch im Winter arbeiten zu können, wurde ein Ballon aus Kunststoff um die Kuppel gespannt, der bei einem großen Sturm promt zerriß und davonflog. Das war das Startsignal für Souvenirjäger. Der Herr Erbauer erklärte, daß fast in jedem Haus am Elbhang Reste des Ballons aufbewahrt würden.
Emme war nur einmal im Leben oben auf dem Fernsehturm. Und nach dem Ausblick im Café. Und dort erlebte sie die langsamste und schlechteste Bedienung ihres Lebens. Vielleicht mußte das Eis erst aus dem Konsum in Rochwitz geholt werden, denn wie konnte die HO ahnen, daß Kinder im Hochsommer Eis essen möchten? Dafür waren die Preise gepfeffert.
Zur Eröffnung des Fernsehturmes erschien dieser kleine Artikel in der Zeitung.


Man beachte: Damals war man kein Fernsehzuschauer, sondern –teilnehmer!
Über die Tücken der Technik berichtete diese Glosse:


Die Ausstellung war klein, informativ und lustig. Das Wichtigste kam auch zur Sprache: Wir wollen „unseren“ Fernsehturm wiederhaben!
Weiter gings: Im „Gare de la lune“ war das Lulatschland eröffnet worden.


Bunt, schräg und im Karrussell war die Bar. Es herrschte eine schöne Atmosphäre, das Fernsehen lief schon, weil alle auf das Fußballspiel warteten. Da flüchteten wir.


Unterwegs gab es gebackenen Blumenkohl. Emme schwatzte (Was hat die bloß immer zu sagen und zu fragen?) mit den Verkäufern. Die jungen Männer betreiben den Stand sozusagen in 2. Generation. Die Eltern wären alt geworden und nun hätten sie notgedrungen die Elbhangfesttradition übernommen.
-Siehst Du, solche Informationen bekommt man nur, wenn man fragt!
Es regnete mal wieder.
Irgendwann kamen wir am Körnerplatz an. Naß und frierend, mitten in einer Sommernacht! Emme wollte noch die Kunstinstallation im Josef-Herrmann-Denkmal sehen, aber da war schon geschlossen.


Eine lustige Band machte Musik. Alle tanzten wie verrückt, um die Kälte zu vertreiben. Wir entschieden uns für eine passive Variante der Erwärmung und tranken im Buchhaus Loschwitz Glühwein. Den Nachtumzug, der 1 Uhr angekommen wäre, warteten wir nicht mehr ab. Wir fuhren nach Hause und fielen todmüde in die Betten.

Schlaft gut! 
Euer Hase



Der Bericht vom Sonntag folgt.

Samstag, 20. Oktober 2018

Im Juni im Museum: Zwergenausstellung


Eigentlich waren wir nicht im Museum, sondern in einer Ausstellung.

 

Diese war auch noch draußen, hatte dafür aber eine städtische Genehmigung.

Und war nicht wirklich gut zugänglich. Das gehörte aber zum Konzept.
Die Orange Alternative ist eine polnische „künstlerische, kulturelle und soziale Bewegung“, die mit den Mitteln des Happenings und des Surrealismus auf gesellschaftliche Mißstände hinweist. Hier ist der Text über die Entstehung:



Ob das Wirklichkeit war oder ob es sich um eine Legende handelt, ist egal. Denn die Geschichte ist einfach gut.
In der Ausstellung sahen wir zum großen Teil fotografische Dokumentationen von Happenings aus den 1980er Jahren bis heute. Und obwohl die Ursachen bitterböse sind, machten die Polen immer was Lustiges daraus. Uns gefielen am besten: „Die Lobpreisung der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“, das „Manöver auf der Schneekoppe“ und die „Heiligsprechung“ von Kaczyński.

 

 

Bei all diesen Happenings hätten wir gern mitgemacht!
Emme, gibt es denn so etwas auch hier in Dresden? Oder in Deutschland?
Nee, Hase. Das ist wie beim Fußball. Die Deutschen sind zu satt…
Außerdem konnten wir noch Zwergen-Dame spielen


und erfuhren von den Ausstellungsbetreuern Folgendes: Da die Orange Alternative in Wrocław/ Breslau entstand und dies die Partnerstadt Dresdens ist, gibt es ein Zwergendenkmal in der Nähe der Kreuzkirche. Emme konnte sich erinnern, das schon einmal gesehen zu haben. Sie dachte damals an einen Scherz. Jetzt, da wir wissen, was ein orangefarbener Zwerg bedeutet, werden wir ihn noch einmal besuchen.

Vielen Dank an den Kultur Aktiv e.V. für die interessante und lustige Ausstellung, bei der wir viel gelernt haben und die in uns die Lust geweckt hat, mal wieder was richtig Surrealistisches zu veranstalten.
Hase und Emme



Alle Textzitate wurden der Ausstellung und dem Ausstellungsflyer entnommen.
Kontakt:
Kultur Aktiv e.V.
Bautzner Str. 49
01099 Dresden
https://www.facebook.com/kulturaktivdresden

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Aus der UNO-Konvention der Hasenrechte: Jeder Hase hat das Recht auf einen eigenen Paß


Jawohl, jeder Hase hat das Recht auf einen eigenen Paß! Aber wo konnte ich einen bekommen? Es gibt Pässe für Menschen, Hunde und Teddybären, aber keine für Hasen. Deshalb gingen wir zur Bunten Republik Neustadt, die galt 1990-1993 als Mikronation mit eigener Verfassung, Währung und Papieren. Das Recht, eigene Pässe auszustellen, nehmen sich die Bunten Neustädter bis heute.


 
Traditionell begann unser Neustadtrundgang mit Erdbeerbowle bei Bine. Danach drängte ich zum Aufbruch zum Lutherplatz, denn dort hatte das Buntesamt für Mikronationen seinen Sitz. Der Weg dahin dauerte. Die Mädels huschten in alte und neue Geschäfte, knabberten afrikanische Teigtaschen und tranken erst mal ausgiebig arabischen Kaffee. Dabei erörterten sie die diesjährige Neustadtmode. Die vorherrschende Farbe war dezentes Schwarz und der Trend ging eindeutig zu Kopfbedeckungen aller Art. Hüte, Mützen und Blumenkränze gab es von fein bis schlampig. Während all dieser Betrachtungen verging die Zeit, und als wir endlich am Buntesamt ankamen, war schon geschlossen.


Ich wurde auf den nächsten Tag vertröstet, durfte etwas malen



und alle bekamen etwas zu essen. So mußte ich noch einen Tag ohne Paß durch die Bunte Republik wandern. Und die erwies sich wirklich als bunt: buntes Essen,


bunte Waren,


bunte Musik.


Wir besuchten die Little East Side Gallery Dresden,




bestaunten „Vogelschiß-Ausmalbilder“,



suchten auf dem Flohmarkt nach nichts und waren in einer Zwergen-Ausstellung. Darüber schreibe ich im nächsten Post, sonst wird das hier zu lang.
Am zweiten Tag kämpften wir uns nach einem Straßenbahnunfall durch Fußballfans und viel Gewühl wieder zum Lutherplatz. Unterwegs begegnete uns ein Zauberer.


Der Einbürgerungstest war ganz schön knifflig, Emme half mir ein bißchen. Aber wir haben dabei viel gelernt und einigen Fragen werden wir bei Gelegenheit noch einmal nachgehen. Ein junger freundlicher Mann zeichnete mein Lichtbild (in Farbe!) und dann bekam ich ihn: meinen Paß!!!! Hurra!!!


Vielen Dank ans Buntesamt für Mikronationen und den tollen Verein, der dahintersteckt! 
So konnten wir ohne Druck den lustigen Männern von WM66 zuhören, die seit Jahren treu auf der BRN auftreten. Hier war definitiv Ü40- Bereich, obwohl ein sehr junges Pärchen eine wunderbare Tanzeinlage darbot. Wer kann noch das Auftrittslied von Arthur, dem Engel singen?


Noch einmal schlenderten wir entspannt durch die Straßen, es gab libanesisches Essen, Smoothies aus deutschen Früchten, arabische Tänze und Rockmusik. Alles live und handgemacht, das war schon erholsam für Gaumen, Augen und Ohren. Beim „Geldschneider“ erhielt ich meinen ersten  Ausreisestempel aus der Bunten Republik Neustadt.
Emme, das waren zwei tolle Tage! Gehen wir da wieder hin?
Klar, Hase. Alle Jahre wieder! Aber: Hase, Du bist jetzt eingebürgert und mußt Dich ordentlich benehmen! Du hast keine Ausreden mehr! Keine Überfälle mit Wasserspritzpistolen! Keine Verführung von minderjährigen Teddybären zu geplanten kriminellen Handlungen! Verstanden?
Klar, Emme.
Und wie sah Deine Ausbeute aus? Du hast doch bestimmt wieder zugeschlagen?

Hase, das sind alles Dinge, die ich brauche.

Heute verabschiede ich mich mit dieser Botschaft:

 
Euer Hase

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Liebe Mädels,



Werbung in den Dresdner Straßenbahnen

ich hoffe, daß Ihr so etwas nicht nötig habt!
Euer Hase