Freitag, 17. Februar 2017

Herr Niffler geht auf Reisen


Jeder regelmäßige Leser dieses Blogs hat mitbekommen, daß Emme und ich große Harry-Potter-Fans sind. Deshalb freuten wir uns sehr über den neuen Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, auch wenn Harry hier (noch) gar keine Rolle spielt. Hier haben wir begeistert darüber geschrieben.
Sylvie und Emme haben sich sofort in den Niffler verliebt, als ob ein nichtmagischer Hase nicht vollkommen ausreichen würde! Und was wurde wohl für Sylvie zum Geburtstag genäht?- Klar, ein Herr Niffler.
Ausgangsmaterial war dieser schöne alte Bademantel (+ ein Reststück rosa Stoff), den Emme ausrangiert hat.

 

Den Schnitt fand sie im weltweiten Informationsnetz bei Sailorsweet, den Emme vergrößerte. Vielen Dank fürs Veröffentlichen!
Zuerst nähte Emme einen Probeniffler aus Bettwäsche, dann gings frisch und munter ans Werk: Damit man alle Zeichen und Nahtlinien sehen kann, schnitt Emme alles aus Vlies zu, bügelte es auf und konnte dann den schwarzen Stoff zuschneiden, ohne sich die Augen zu verrenken. Außerdem wird der Körper dadurch fester.


Alles zusammennähen und zu wenden war knifflig und anstrengend, hat aber mit ein wenig Geduld ganz gut geklappt.
Maul und Nasenlöcher wurden mit 3D-Textilfarbe gemalt, die wir schon für Herrn Grinch gebraucht hatten. Da Bügeln diesmal nicht möglich war, mußte der arme Herr Niffler auch noch laut Gebrauchsanleitung in den Ofen!


Natürlich muß ein Plüsch-Tierwesen auch eine Funktion haben. Emme entschied sich, Herrn Niffler zum Schmuckständer zu machen. Dies kommt ja auch den persönlichen Neigungen eines Nifflers entgegen.
Emme überlegte, wie sie ein Innengerüst bauen könnte. Und dann fiel ihr dieses Holzmännlein ein, das es beim großen schwedischen Möbelhändler gibt und irgendwie in jedem Haushalt zu finden ist und überall dekorativ verstaubt.


Das wurde als Gerüst benutzt und der Niffler kann jetzt in komischen Posen herumstehen.

Den Rest füllte Emme mit Bastelwatte auf, die von meiner Schönheits-OP übriggeblieben war.

Emme, wieso ist denn da was übriggeblieben?
Hase, Du bist doch dick genug, oder?
Nein, das sind nur meine starken Knochen.

Da keine Niffler-Augen auf die Schnelle aufzutreiben waren, überlegte Emme, ob sie einem anderen Tierchen seine Augen entwenden sollte. Ich fand das sofort verwerflich und letztendlich brachte es auch Emme nicht übers Herz, ein Plüschtier als Ersatzteillager zu benutzen. Die Moral hat gesiegt! So bemalte Emme zwei Knöpfe mit ein bißchen Gold, ließ sie trocknen und nähte sie an. Schöne Augen, geht doch!


Der arme Herr Niffler, er wurde gestochen und gebacken, hin- und hergewendet und mit Holz und Watte ausgestopft. Aber nach seiner Fertigstellung war er sofort verschwunden und wurde nach langem Suchen in der Schmuckschublade in flagranti erwischt:






















Damit nicht noch Schlimmeres passiert, ging Herr Niffler am Mittwoch auf die Reise. 
Für den stilvollen Niffler-Transport stellte der Herr Reichsgraf einen Koffer zur Verfügung. Vielen, vielen Dank!


Und wie Ihr seht, hat sich da schon ein magisches Tier an den Schlössern zu schaffen gemacht um auszubüxen:



Deshalb ist ein Bindfaden um den Koffer gewickelt. Hallo, Ihr Tierchen: Dresden ist nicht New York, aber wenn Ihrs hier schafft, schafft Ihrs überall!

Liebe Sylvie,
alles Gute zum Geburtstag, Glück, Gesundheit und viel Freude mit dem neuen Mitbewohner!

Lieber Herr Niffler,
bitte vertrag Dich gut mit Sylvie! Sylvie liebt klappernde Armreifen, und wir sind sicher, daß Du auch in Zukunft im neuen Heim etwas zum Einsammeln findest!

Hase und Emme

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Deutschen kamen nicht



Wrocław ist die Partnerstadt Dresdens und war 2016 die Kulturhauptstadt Europas. Informationen zu diesem kulturellen Großereignis sind kaum bis zu uns gedrungen. Es gab einen Flyer in Englisch mit spärlichen Angaben zu Projekten und Aktionen. Und einen Fernsehbeitrag vom 1. Januar 2016, der ungefähr 30 Sekunden lang war. Mehr nicht. Schade.
Eine Ausstellung mit Installationen hat es doch bis zu uns geschafft, die sich mit dem Verhältnis von Deutschen und Polen, Identität, mit Flucht, Vertreibung, Zerstörung, dem Neuanfang nach dem Krieg und dem erneuten Neuanfang nach dem Zerfall des Sozialismus beschäftigt.
Tolle Ideen waren dabei wie dieser T-Shirt-Automat kombiniert mit tief bewegenden Interviews mit Bewohnern des Grenzgebietes,

 

Tomasz Opania
Zielona granica- grüne Grenze
Video, Installation 2014
  
die Planung einer Kuppel für die ehemalige Synagoge- dann Luftschutzbunker- jetzt Museum für Moderne Kunst,

Tom Swoboda
Heimat
Fotodokumentation  2016

Wrocław-Puzzles,

Michael Merkel
Die Stadt im Prozess
Installation, Stadtpläne, Stühle, Tisch 2014

Fahnen, die im Wind wehen und von Plattenspielern angetrieben werden


Tomasz Opania
Tanz mit mir
Installation 2014

und dieser Raum mit dem Titel „Heimatvertriebene“, der wirklich keine Worte braucht.


Dorota Nieznalska
Heimatvertriebene
Türen ehemals deutscher Häuser,
Stahlkonstruktion, Video mit Ton 2014

An einem Sonntag standen Studenten der Abteilung Slavistik der Technischen Universität Dresden zum Gespräch bereit. Sympathische junge Menschen, die schon sehr weit von all den Ereignissen leben. Obwohl Krieg, Flucht und Vertreibung in allen Familien Europas tiefe Spuren hinterlassen haben und hochaktuelle Themen sind. Aber an das Horten von Lebensmitteln für schlechte Zeiten können sich alle erinnern:

Aleksandra Sojak-Borodo
Auf Vorrat
Installation 2014 (2010)

Wer es also bis zum 6. März in die Städtische Galerie für Gegenwartskunst in die Rähnitzgasse 8 schafft, sollte sich die Ausstellung ansehen. Der Besucher kann keine Unterhaltung erwarten, aber gute und berührende Kunst zu einem alten- aktuellen Thema.

Euer Hase